Die Republik Albanien
Albanien liegt in Südosteuropa, an der Westküste der Balkanhalbinsel. Es grenzt im Süden an Griechenland, im Osten an Mazedonien, im Norden an Montenegro und Kosovo. Im Westen liegt das Mittelmeer, 71 km dahinter Italien. Mit knapp 29.000 Quadratkilometern und etwa 3 Millionen Bewohnern ist Albanien kleiner als Baden-Württemberg (35.700 km2, 10,7 Mio Einw.). Das Land ist Mitglied der UNO und der NATO und hat einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU gestellt.
Bevölkerung: Die große Mehrheit der Einwohner (90%) sind Albaner; damit ist Albanien nach Griechenland (93 %) der Balkanstaat mit der größten ethnischen Homogenität. Die größten Minderheiten sind Griechen und Aromunen (v.a. im Süden des Landes), Serben und Montenegriner (im Norden) sowie Roma, eine arme Volksgruppe, die über das ganze Land verstreut lebt. Noch einmal ca. 3 Millionen Albaner leben im Kosovo (88% Bevölkerungsanteil) und in Mazedonien (25%); außerdem sind viele Albaner nach Westeuropa, Nordamerika oder in die Türkei emigriert.
Religion: Die meisten Albaner sind Moslems (60-70%), 20% sind orthodox, 10% katholisch. Die restlichen 10% bezeichnen sich als Atheisten oder gehören anderen Religionen – insbesondere evangelikalen Freikirchen – an. Die Anhänger der verschiedenen Religionen pflegen traditionell einen sehr toleranten und freundschaftlichen Umgang miteinander.
Außenpolitik: Albanien richtet sich in den letzten Jahren klar nach Europa aus. Zu Deutschland gibt es enge und partnerschaftliche Beziehungen: Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner, der größte Geber von Entwicklungshilfe und genießt als Förderer des albanischen Reformprozesses hohes Ansehen.
Stadt, Land, Berge
Entlang der Adria und dem Ionischen Meer besitzt Albanien eine lange Küstenlinie mit wachsenden Urlaubsorten und vielen Sand- und Kiesstränden. Dahinter erstreckt sich in unterschiedlicher Breite eine Küstenebene, die landwirtschaftlich genutzt wird. Norden, Osten und Süden des Landes sind bergig: Mehr als zwei Drittel des albanischen Staatsgebiets werden von Bergland und Hochgebirgsregionen eingenommen, die dünn besiedelt und teilweise sehr abgelegen sind. Da nur die Täler, das Hügelland und Teile der Küstenebene eine dichtere menschliche Besiedlung ermöglichen, ist in diesen Regionen die Bevölkerungsdichte relativ hoch. Hier liegen Städte: Neben der Hauptstadt Tirana seien (von Nord nach Süd) Shkodër, Durrës, Elbasan und Vlorë (Vlora) genannt.
Große Gebiete sind von unberührter Natur und abwechslungsreichen Landschaften geprägt. Albanien beherbergt eine einzigartige Fauna und Flora, was es im Hinblick auf seine Größe zu einem der artenreichsten Länder Europas macht. Zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten gibt es 14 Nationalparks. Es gibt so viele Flüsse und Seen, dass das Land die gesamte anfallende Wasserkraft kaum nutzen kann.
Albanische Landschaften: Badeurlaub am Sandstrand, Dämmerung in
Tirana, abgelegene Bergregion
Geschichtlicher Hintergrund
Albanien hat eine wechselhafte, zerrissene Geschichte, die es dem Land schwer gemacht hat, zu sich selbst zu finden.
In vorchristlicher Zeit lebte in der Region der Stamm der Illyrer; griechische Siedler gründeten einige der heutigen großen Städte. Seit 27 v.Chr. war Illyrien römische Provinz. Schon früh hat das Christentum Fuß gefasst: Paulus war hier (Römer 5,19), Apollos war Bischof in Durrës. Bei der Teilung des römischen Reichs lief die Grenze mitten durch Albanien: Der Norden des Landes war weströmisch und daraufhin katholisch, der Süden oströmisch und orthodox.
Ende des 14. Jahrhunderts drangen die Osmanen nach Albanien vor. Dem Fürsten Skanderbeg aus Kruja gelang es, die (christlichen) Albaner zu vereinen und die (moslemischen) Osmanen immer wieder zurückzuschlagen; dafür gilt er noch heute als albanischer Nationalheld (die albanische Flagge geht auf sein Wappen zurück). Skanderbeg hoffte jedoch vergeblich auf Unterstützung durch andere christliche Länder, und einige Jahre nach seinem Tod wurde Albanien unterworfen. Während der folgenden vier Jahrhunderte war Albanien Teil des osmanischen Reichs. Viele Albaner konvertierten zum Islam – aus Zwang oder weil ihnen das bessere Perspektiven bot.
Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine albanische Nationalbewegung, die eine gemeinsame Schrift und Kultur entwickelte und schließlich – nach dem Zusammenbruch des osmanischen Reichs und trotz Widerstands der Nachbarnationen – zur Gründung des albanischen Staates 1912 führte. Auch während der nächsten Jahrzehnte blieb Albanien ein Spielball ausländischer Interessen: Serben und Griechen versuchten das Land zu vereinnahmen, im zweiten Weltkrieg war es erst von Italien, dann von Deutschland besetzt. Interessanterweise gab es in Albanien trotzdem keine Judenverfolgung.
Ende 1944 übernahmen die Kommunisten unter Leitung von Enver Hoxha die Macht. Sie prägten das Land bis 1990 mit einer radikalen stalinistischen Diktatur, erklärten Albanien zum »ersten atheistischen Land der Welt« und führten es (nachdem sie sich erst mit Jugoslawien verstritten hatten, einige Jahre später mit der Sowjetunion und schließlich auch mit China) in eine totale außenpolitische Isolation. Am Ende war Albanien das isolierteste und wirtschaftlich rückständigste Land in Europa.
1990 gab es auch in Albanien Massendemonstrationen gegen die kommunistische Diktatur und es begann ein schwieriger Transformationsprozess. Nachdem verschiedene Reformen gescheitert waren, brach 1997 beim »Lotterieaufstand« die öffentliche Ordnung komplett zusammen, so dass internationale Friedenstruppen eingreifen mussten. In den letzten Jahren hat sich die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage jedoch erheblich stabilisiert.
Vergangenheit und Gegenwart in Tirana: Der zentrale Skanderbeg-Platz
mit Moschee und Skanderbeg-Denkmal, kapitalistisches Einkaufszentrum
vor sozialistischen Wohnblocks (Fotos: panoramio)
Wirtschaftliche Situation
Wirtschaftlich gesehen ist Albanien eines der ärmsten Länder Europas: Das Jahreseinkommen lag 2006 bei ca. 3.000 EUR. Ein Drittel der Bevölkerung lebt von Selbstversorger-Landwirtschaft. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 13,8%, vermutlich sind es 30%. Schwarzarbeit macht etwa ein Drittel der Wirtschaftsleistung aus. Deshalb sind viele Albaner in den letzten Jahren zum Arbeiten ins Ausland gegangen; sie tragen mit ihren Überweisungen wesentlich zum Auskommen in der Heimat bei.
Wichtigste Außenhandelspartner Albaniens sind Italien, Griechenland und Deutschland. Oberste Priorität hat die Verbesserung der Infrastruktur: ein neues Autobahnnetz entsteht, ein großer Containerhafen in Vlorë. Ein deutsch-amerikanisches Konsortium betreibt den einzigen internationalen Flughafen in Tirana. Weitere Schwerpunkte für ausländische Investoren sind Stromversorgung, Telekommunikation und das Bankenwesen. Mittelständler, insbesondere aus Italien und Griechenland, engagieren sich in der verarbeitenden Industrie, z. B. in der Textil- und Schuhbranche, sowie in der Lebensmittelveredlung. In einigen Sektoren (Einfuhr von Maschinen und Ausrüstung, Bauindustrie) nehmen einheimische Investitionen stark zu. Hinzu kommen Investitionen der Auslandsalbaner, die in erster Linie Cafés und Restaurants, inzwischen aber auch kleinere Produktionsunternehmen eröffnen.
Die Entwicklung der letzten Jahre hat dazu geführt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft. Die großen Städte sind international vernetzt und bieten ein umfangreiches Waren- und Luxusangebot. Große Teile der Bevölkerung haben jedoch keinen Anschluss an die Entwicklung gefunden; vor allem in ländlichen Regionen leben viele Menschen noch unter äußerst einfachen Verhältnissen.